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Tagebuch von Joachim

Fahrradreise von Rostock nach Berlin

Vom 03. Juni bis 09. Juni 2004

Das Team: Reiner, Christoph, Joachim, Michael, Peter

2. Tag - Freitag, 04. Juni 2004

Von Bützow nach Krakow am See


Am Morgen erzählen Peter, Christoph und Reiner, sie hätten auch furchtbar geschlafen. Sie hätten geschwitzt und keine Luft bekommen. Christoph hätte in der Nacht mit dem Fenster gekämpft, um es auf zu bekommen. Das Zimmer ist auch zu klein, wenn die Drei ein paar Mal Luft holen ist das Zimmer luftleer. Um 8.15 Uhr sind wir fertig und wir gehen hinunter, um zu frühstücken.

Es ist schon alles fertig. Die Wirtin hat uns den Stammtisch in der Gaststube gedeckt. Das Frühstück ist super. Ich habe den Eindruck, sie will uns für die doofen Zimmer entschädigen. Sie ist sehr nett und unterhält uns. Nach dem Frühstück geht Micha raus, um nach dem Wetter zu sehen. Als er wieder kommt, meint er, es sieht schlecht aus. Der Himmel ist grau und es sieht nach Regen aus. So ein Mist!

Wir sind aber guter Dinge und hoffen es wird sich aufklären. Als wir in den Hof kommen und unsere Räder satteln, fängt es an zu regnen. Unsere Stimmung sinkt etwas. Micha versucht uns aufzuheitern und singt uns seine österreichischen Balladen vor. Wir warten und hoffen, dass es aufhört zu regnen. Nach einer halben Stunde fangen Reiner und Micha an ihre Regensachen auszubuddeln, Christoph folgt.


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Peter und ich zögern noch. Ich ziehe nur meine Regenjacke an. Christoph fordert mich mehrmals auf meine Regenhose anzuziehen, ich wäre schon genug erkältet. Er hat Recht, denn ich bin immer noch heiser. Ich ziehe meine Hose an und setze meine Mütze auf. Peter erklärt uns die nächste Etappe, der Ort heißt "Krackow am See" und wir müssen los, sonst wird die Zeit knapp.

Ich kaufe mir in der Apotheke noch schnell Lutschpastillen, hoffentlich helfen sie. Es regnet stärker und es fährt sich schwer. Wir sehen schlecht und wir übersehen irgendwo ein Hinweisschild des Radwanderweges. Nach 3 km hält Peter an und meint, wir sind falsch, wir müssen zurück, wir müssen erst mal nach Güstrow. Einen netten Blumenhändler am Bahnhof Bützow fragen wir nach dem Weg. Er beschreibt uns den Weg, über die Bahnschranke und dann rechts. Ein Hinweisschild haben wir nicht gesehen, Schiss!.

Ich hoffe es wird mal aufhören zu regnen. Wir müssen ein Stück Autostrasse fahren mit viel Verkehr, die Autos spritzen uns voll, aber dann fahren wir wieder glatten Radweg. Bis Güstrow geht es ganz gut. Wir machen Halt in Güstrow am Supermarkt Plus um Verpflegung zu kaufen. Wir können unsere Räder unterstellen und Pause machen. Ich bleibe draußen und passe auf die Räder auf.

Reiner kommt als erster aus dem Supermarkt. Er hat sich etwas zu trinken und Bananen gekauft. Christoph hat das Süßwarenregal gekauft, hi, hi! Micha Kekse, die er gleich an alle verteilt. Peter hat mir Bananen mitgebracht und Bronchial Bonbons für meinen Hals besorgt. Er hat an mich gedacht und ich freue mich sehr über seine Fürsorge. Wir stärken uns und fahren weiter durch Güstrow.

Es ist eine alte Stadt und Kreisstadt von der Mecklenburgerischen Seenplatte mit einem schönen Renaissanceschloss und historischer Altstadt. Leider können wir die Stadt aus Zeitgründen nicht besichtigen. Es regnet nicht mehr so doll und so halten wir wenigsten am Schloss Güstrow. Peter liest uns aus der Karte die Geschichtsdaten vor und wir machen ein paar Fotos.


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Es regnet wieder stärker. Als wir Güstrow verlassen, wird der Weg schwer. Es geht Berg auf und ab, auch der Weg ist schlecht, Kies und Waldweg, Kopfsteinpflaster alles dabei. Die langen Anstiege machen mir zu schaffen, meine Erkältung macht sich wieder bemerkbar. Der Weg wird etwas besser. Weit vor uns fährt ein einzelner Radfahrer, wir sehen ihn im Dunst des Regens. Viele Kilometer fährt er vor uns her.

Wir machen Pause auf einem Waldrastplatz mit überdachten Bänken. Obwohl es regnet überfallen uns die Mücken. Micha fängt für uns die Mücken weg. Wir beobachten wie der einzelne Radfahrer, der immer vor uns fuhr, zurückkommt. Wir denken uns aber nichts dabei. Nachdem wir unseren Imbiss verdrückt haben fahren wir weiter. Nach einer Weile und mehreren Kilometern merken wir warum der einzelne Radfahrer zurück gekommen ist, wir sind falsch, wir haben uns wieder verfahren. Peter ist ganz verzweifelt, das wir wieder falsch sind. Er will seine Führung abgeben und fordert uns auf, auch nach Hinweisschildern Ausschau zu halten. Wir müssen ihn trösten. Keiner von uns hätte es besser gemacht, und wir sind mit seiner Führung sehr zufrieden.

Wir fahren zurück. Wir finden den richtigen Weg. Es geht auf dem richtigen Weg weiter und die Steigungen nehmen kein Ende. Ich fahre weit abgehängt hinterher. Am Berg mache ich keine Punkte. Micha lässt sich zurückfallen und fährt mit mir. Meistens fährt Peter und Christoph vorn, dann kommt Reiner.

Reiner fährt vor uns. Er hat seine Gepäcktaschen mit einer roten Regenplane geschützt. Die Plane hat sich aufgebläht und es sieht aus, als wenn er einen roten Ballon spazieren fährt. Wieder ein langer Anstieg, ich habe den letzten Gang geschaltet und quäle mich den Berg hoch. Mein Puls ist auf tausend, ich friere und schwitze zugleich. Ich keuche wie ein Hund und in meinen Schläfen hämmert das Blut. Ich möchte absteigen und mich in den Wald schmeißen und liegen bleiben, wieder erwarten schaffe ich es aber doch.

Durch den Dunst des Regens sehe ich in der Ferne, die Vier auf mich warten. Als ich näher komme, sehe ich, dass sie auch nicht mehr ganz frisch sind. Reiner rinnt der Regen die Nase runter, Christoph vom Helm, Peters Brille ist voller Tropfen. Micha sieht noch gut aus. Er hat sich gut verpackt. Er hat seine Kapuze über dem Kopf dicht zusammen gezogen und der Rest der Kordel steht wie eine Antenne aufrecht auf seinem Kopf, ein bisschen erinnert er mich an ein Marsmännchen, aber in blau nicht in grün.

Nach ein paar Minuten des Luftholens, fahren wir weiter. Endlich erreichen wir das Städtchen "Krackow am See." Peter hat die Karte und sucht die Touristikinformation. Wir finden sie sofort. Peter und Micha machen Quartier. Wir bekommen wieder ein Doppelzimmer und ein Dreierzimmer in einem Gasthof. Es nennt sich "Blechernkrug" und liegt etwas außerhalb. Wir müssen noch zwei Kilometer fahren, das macht uns nun nichts mehr aus. Es regnet immer noch.

Wir werden schon erwartet. Die Chefin empfängt uns und zeigt uns die Zimmer. Sie sind zehnmal besser, als in Bützow, wir sind zufrieden. Wir packen unsere Klamotten aus und ziehen uns um, dann überlegen wir was wir machen wollen. Es ist jetzt 18 Uhr und eigentlich wollten wir uns den Ort und den See ansehen, aber es regnet immer noch und keiner hat Lust. Wir sind auch alle ein ziemlich müde, wir sind 55 km gefahren, das ist nicht so viel, aber der Weg war schwer und hat uns geschlaucht.

Wir setzen uns in die Gaststube und essen Abendbrot. Das Essen ist nicht doll, aber der Hunger treibt's rein. Das Bier ist aber gut. Ich bin immer noch heiser, am Abend ist es immer am Schlimmsten. Ich sollte einen Tee trinken, aber Bier schmeckt eben besser. Peter und Christoph schlafen am Tisch fast ein, ihnen fallen immer die Augen zu. Um acht sind wir alle im Bett. Damit ich nichts vergesse schreibe ich noch ein wenig Tagebuch, Micha liest Zeitung. Nach einer Weile höre ich Micha tief atmen, er hat die Brille auf der Nase und die Zeitung in der Hand und schläft. Der Tag war für uns alle anstrengend. Ich bin richtig erschöpft, dadurch schlafe ich besser als vorige Nacht.

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