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Tagebuch von Joachim

Fahrradreise von Rostock nach Berlin

Vom 03. Juni bis 09. Juni 2004

Das Team: Reiner, Christoph, Joachim, Michael, Peter

3. Tag - Samstag, 05. Juni 2004

Von Krackow am See nach Waren an der Müritz


Ich werde wach, es ist noch nicht richtig hell. Ich schaue auf meine Armbanduhr, es ist erst 6 Uhr, ich schaue zu Micha, er schläft noch. Ich drehe mich noch mal um und schlafe weiter. Michas piepende Uhr weckt mich. Micha ist sofort munter und wünscht mir einen guten Morgen. Ein Morgenmuffel ist er nicht, er ist sofort da, das freut mich sehr. Ich brauche immer etwas Anlauf.

Er geht immer als erster ins Bad, somit habe ich Zeit aufzuwachen. Ich schaue aus dem Fenster. Es regnet nicht mehr, aber es ist bedeckt, mein Fahrradcomputer zeigt 15°C, das ist nicht doll, aber vielleicht wird es ja noch. Als ich aus dem Bad komme, klopft Reiner an die Tür. Er ist schon fix und fertig, ich bin noch in Unterhose. "Na Jungs seid ihr schon fertig, fragt er?" Er erzählt uns, dass sie alle Drei gut geschlafen hätten. Das Frühstück ist im Gegensatz zum Abendbrot prima. Wir hauen ordentlich rein, der Kaffee ist auch gut. Wir packen. Es dauert immer einige Zeit, bis wir startklar sind. Wir putzen noch unsere Räder, sie sehen furchtbar aus nach der gestrigen Regentour.


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Um 9.30 sind wir fertig. Peter erklärt, die nächste Etappe ist Waren an der Müritz und es sind 52 km zu fahren. Wenn der Weg wie Gestern ist, sind 52 km viel. Wir fahren los. Es ist noch kalt und wir haben alle unsere warmen Sachen an. Wir fahren weiter um den See. Jetzt können wir sehen wie wunderschön der See und die umliegende Landschaft ist und wir bedauern, dass wir nicht bleiben können. Ich bin ganz begeistert von dem Land, euphorisch stelle ich fest, Deutschland ist schön! Der Weg ist auch prima. Er ist ganz neu, ganz glatter Asphalt, die Räder surren auf dem glatten Belag, das Fahren macht richtig Spaß. Das Wetter wird auch besser, die Sonne kommt raus und es wird richtig warm. Mein Computer zeigt 20°C an.


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Nach 20 km machen wir Pause im Wald an einem "Ameisen - Treffpunkt". Es ist so eine Art Lehrpfad. Es ist ein großer Platz und es sind Schilder aufgestellt, auf denen erklärt wird, wie nützlich die Waldameisen sind und wie ihre Lebensweise ist. Jedes Volk vertilgt pro Jahr 30 Kilo Waldschädlinge. Christoph bewundert die vielen Ameisen die zu Tausenden auf dem Boden herumkrabbeln. Sie sind überall, es ist wie schon auf dem Schild steht, ein Ameisen - Treffpunkt, alle Ameisen des Waldes treffen sich hier. Sie krabbeln auf unsere Fahrräder und an uns hoch, wir müssen uns retten bevor sie uns auffressen.


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Christoph liest alle Schilder durch und versucht keine Ameise tot zutreten, was schier unmöglich ist. Er entschuldigt sich bei den Ameisen auf die er getreten ist mit den Worten: "Entschuldige mein Freund." Er ist der große Tierfreund unter uns. Er ist auch schon vorher um jede Schnecke und jedem Käfer, die auf dem Radweg herum liefen, herum gefahren und hat uns immer aufmerksam gemacht keins zu überfahren.

Jetzt hat er eine Hummel gefunden, sie ist voller Ameisen und kann nicht fliegen. Er nimmt sie auf seinen Finger und pusselt die Ameisen von ihr ab. Das gefällt ihr sehr gut und sie denkt nicht daran ihren Lebensretter zu verlassen. Wir fahren weiter. Christoph versucht seine Hummel abzuschütteln, aber sie umklammert seinen Finger und er bringt es nicht übers Herz, die Hummel einfach abzusetzen, so nimmt er sie mit.

Bei der nächsten Rast, nach etlichen Kilometern, schafft er es die Hummel auf die Erde zu setzen. Als wir weiterfahren, macht er sich Gedanken, er hätte die Hummel an eine freie Stelle gesetzt, hoffentlich kommt nun kein Vogel und frisst sie. Wir müssen alle grinsen. "Ach Christoph, du bist ein Guter!"


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Das Wetter wird immer besser und der Radweg ist super. Christoph ist etwas beunruhigt, an seinem Hinterrad knackt irgend etwas. Ich fahre neben ihm, es stimmt, irgend etwas ist nicht in Ordnung. Ich tröste ihn und verspreche, dass wir es untersuchen werden. Peter hat wie immer die Führung übernommen, wir sind gut unterwegs. Wir verfahren uns auch nicht und so erreichen wir Waren an der Müritz schon um 15 Uhr.

Wir fahren wieder zur Touristikinformation. Peter, Micha und diesmal gehe ich auch mit, erkundigen uns nach Unterkünften. Der Mann dort, erklärt uns, dass es sehr schwer sei, am Wochenende für fünf Leute eine Unterkunft zu bekommen. Er telefoniert zweimal und schafft es doch ganz locker. Wir bekommen wieder ein Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer in einer Pension, sie heißt "Pension am Müritzhafen." Die Frau die uns empfängt ist sehr nett und weiß schon Bescheid. Die Zimmer sind recht groß und ordentlich hoch, ich schätze über drei Meter. Der Fußboden ist gefliest, dadurch wirkt das Zimmer ein wenig kalt, aber dafür haben wir jede Menge Luft.

Wir machen es wie am Vortag, Micha und ich nehmen das Doppel, Peter, Reiner und Christoph das Dreier. Reiner erzählt uns, dass er schon mal vor vier Jahren in Waren war. Er schwärmt uns von einem Restaurantschiff vor, wo man hervorragend essen kann, es liegt aber nicht in Waren sondern in Klink. Klink ist 10 km entfernt von Waren und da es noch sehr früh ist und wir unser Gepäck schon auf dem Zimmer haben, entscheiden wir dort hinzufahren.

Ohne Gepäck ist das kein Problem, das fahren wir doch auf einer Backe. Wir stellen es uns sehr schön vor, auf einem Schiff zu Abend zu essen, zu klönen und dabei auf den See zu schauen. Der Weg dorthin ist gut und so sind wir in schlappen 40 Minuten in Klink.

Reiner ist gefordert das Schiff zu suchen. Das Ufer von Klink ist nicht sehr lang. Reiner sucht und sucht! Kein Schiff! Vielleicht ist es bei stürmischer See, ...ääh Müritz, mit Mann und Menükarte untergegangen, frozzeln wir ihn an! Er ist ein wenig angesäuert. Es wurmt ihn und er fragt einen Eingeborenen, wo das Restaurantschiff geblieben ist. Der erzählt ihm, dass es vor 5 Jahren Pleite gemacht hat und verschrottet worden ist. "Na toll!" Christoph hat Kohldampf und wir könnten auch was essen.

Wir treffen eine Frau am Strand, die uns ein Hotel mit Garten empfiehlt, wo man gut essen kann. Dort wären aber zwei Gärten und wir sollten uns rechts halten und nicht das linke nehmen, das wäre nur ein Imbiss und der wäre nicht besonders. Wir setzen uns an einen Tisch und warten auf die Bedienung. Micha ist es zu zugig an diesem Tisch und er will umziehen. Wir schlagen ihm den gegenüberliegenden Tisch vor, aber Micha und Reiner gehen in den Imbissgarten, wovor uns die Frau gewarnt hatte. Wir bleiben sitzen. Sie setzen sich dort hin und winken uns herüber zu kommen.

Wir können uns nicht verständigen. Na gut, um zusammen zu bleiben gehen wir hinüber. Micha erklärt uns, es wäre doch alles ein und derselbe Laden und die Bänke wären gepolstert und die Speisekarte wäre auch fast die gleiche. Ich erzähle ihm was die Frau am Strand gesagt hat, und dass es "mitnichten" derselbe Laden wäre. Die Bedienung die unser Gespräch mit angehört hat, fragt patzig: "Haben sie sich nun endlich entschieden wo sie sitzen wollen?" Ich bin sauer. Die doofe Kuh, unser Gespräch geht sie gar nichts an. Micha fragt die Bedienung, ob die beiden Lokalitäten zusammen gehören. Sie bestätigt unsere Erklärung, sie haben nicht das Geringste miteinander zu tun.

Egal jetzt, wir bestellen. Jedes Essen kostet 10,95 Euro, ich finde es nicht gerade billig. Christophs Zanderfilet ist für den hohlen Zahn, und der Salat ist teilweise aus der Büchse. Mein Grillteller ist ebenfalls ein Witz, die Hälfte der Schweinesteaks ist Fett, ich glaube es ist billiger Schweinebauch. Michas und Peters Zeug ist auch nicht besser. Der Einzige der zufrieden ist, ist Reiner mit seinen Heringsfilets. Ich habe mich wieder beruhigt und hake es ab, nichts Schlimmeres soll uns passieren, wir gehen ja da nie wieder hin. Wir fahren gemütlich zurück. Wir halten unterwegs und ich probiere mit den Füßen wie kalt der Müritzsee ist. Er ist noch nicht zum Baden, ich schätze die Wassertemperatur auf 18°C.


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Wir fahren weiter. Micha erspäht unterwegs zwei Tischtennisplatten auf einer großen Wiese, es sind alte Steinplatten. Er fragt den Mann am Imbissstand, ob man nicht ein Paar Tischtennisschläger ausleihen könnte. Der Mann meint, die Tischtennisplatten gehören zum Hotel und dort könne man auch die Schläger ausleihen. Micha und Peter beflirten die Frau an der Rezeption und erhalten vier Tischtennisschläger und zwei Bälle. Zwei TT - Schläger davon sind sehr abenteuerlich, sie sind mit Sandpapier beklebt. Wir spielen natürlich Doppel und das Spiel ist auch sehr abenteuerlich, mit Windunterstützung und unebener Platte. Der Ball springt unberechenbar irgendwo hin. Wir amüsieren uns köstlich, es macht irren Spaß, manchmal bekommen wir sogar einen geraden Ball hin.


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Als Micha und Peter die Schläger abgeben, warten Christoph, Reiner und ich auf dem Vorplatz des Hotels. Es ist übrigens noch ein Hotel aus naher Vergangenheit. Es dauert etwas länger, und ich nehme die Gelegenheit wahr, mir Christophs Rad anzuschauen. Ich fahre eine Runde mit seinem Rad und es knackt wieder. Ich fasse die Speichen an und Reiner und Christoph rufen gleichzeitig: "Das ist es!" Ich stelle fest, alle Speichen des Hinterrades auf der einen Seite sind lose, eine Speiche fällt gleich heraus. Das ist ja ein Ding!

Er hat es gerade neu gekauft, ich fass es nicht! Christoph ist ganz sauer auf das Geschäft Stadler, bei der er das Hinterrad gekauft hat. So eine Sch...! Ich beruhige ihn, denn ich habe bei meinen Werkzeug auch einen Speichenschlüssel mit, und wir werden wenn wir wieder in der Pension sind alle Speichen festziehen.

Wir fahren zurück, ziehen uns um und schlendern noch durch das Städtchen Waren. Waren ist eine richtig niedliche Hafenstadt mit Hafenatmosphäre. Restaurants, Läden, Verkaufstände, und es hat sogar eine Spielbank. Ein richtig schönes Städtchen. Christoph und Peter finden auch eine Bank, in der sie Geld abheben können. Reiner und Micha telefonieren. Es ist noch warm, und wir setzen uns auf eine Bank auf dem Marktplatz und essen Eis.


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Christoph hat noch Hunger, das wundert mich nicht nach dem dödligen Minizanderfilet, das er hatte. Wir setzen uns in ein Restaurant am Hafen. Meine Erkältung macht sich wieder bemerkbar, ich habe fast keine Stimme mehr, die Lutschpastillen helfen nichts, ich habe sie schon fast alle aufgefressen. Christoph zieht sich drei Puffer mit Apfelmus rein. Peter erklärt uns noch den morgigen Tag. Die nächste Etappe soll Neustrelitz sein und es werden voraussichtlich 55 km werden. Neustrelitz liegt zwar etwas abseits des Radwanderweges, doch es ist sehenswert. Es ist jetzt 22 Uhr und wir beschließen schlafen zu gehen, damit wir frisch sind für den nächsten Tag.


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Als wir uns verabschieden wollen, sagt Peter, er hätte noch eine Überraschung für Micha und mich, dann verschwindet er. Wir sind etwas erstaunt, was er wohl will. Nach einer Weile kommt er in unser Zimmer mit einer Flasche Franzbranntwein und massiert uns unsere Waden. Er macht das hervorragend, es ist sehr entspannend. Wir wissen gar nicht was wir sagen sollen, Peter ist wirklich ein Schatz.

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